Rolf Miller: "Tatsachen"

29. Februar 2012    20 Uhr

Vicco von Bülow alias Loriot meinte: „ In Darbietung und Text etwas ganz Besonderes“.

Recht hatte er: Rolf Miller ist etwas Besonderes. Da brabbelt er in Halbsätzen Binsenweisheiten vor sich hin, stottert, schwadroniert, verliert immer wieder den Faden, verdreht Sprichwörter, plappert nach, gibt Aufgeschnapptes von sich, sucht nach Begriffen.

Scheinbar harmlos und unterbelichtet, aber hinterhältig und von verquerem Denken ist seine Figur des Odenwälder Simpels. Vom Stammtisch stammelt er, von den Frauen, von seinen Freunden Achim und Jürgen, von der Atombombe, vom Sport, von Promillezahlen ...

Und jeder weiß, es gibt solche Typen, die dem Planeten mächtig auf den Geist gehen und manch einer kennt so einen.

Mit Bravour spielt Miller mit stoischem Gesichtsausdruck und Odenwälder Kauderwelsch den dumpfen Spießer. Aber Miller wäre nicht Miller, wenn er dem Ganzen bei aller Trivialität  nicht einen hintersinnigen Biss geben würde. Mit einfachsten Worten gelingt es ihm, komplizierte zwischenmenschliche, aber auch welthistorische Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen.

Dafür hat er den Deutschen Kleinkunstpreis bekommen!


Eure Mütter: Nix da "Leck mich!" Auf geht’s!

22. Maerz 2012      20 Uhr

Handschellen legt sich das Stuttgarter Blödeltrio keine an. Im Gegenteil, das deftige Vokabular gehört mit der erfrischenden, kreativen Hemmungslosigkeit  fest zum Programm.

Der Einfallsreichtum und die beeindruckende Vielseitigkeit der chaotischen Charmeure sind fast grenzenlos. Ihre bissigen Texte begleiten sie auf Flügel und Gitarre, singen, tanzen und werfen sich in atemberaubende Kostüme. In ihrer gewollt derben Show jagt in rasendem Tempo ein Gag den anderen, herrlich offen und gemein.

Dennoch sind die Spötter sympathisch-nette Zeitgenossen, die entwaffnend ehrlich, direkt und ohne wenn und aber nichts anbrennen lassen. Andi Kraus, Don Svezia und Matze Weinmann sind mit Begeisterung am Werk und verstehen ihr Handwerk auf das Trefflichste.

Ein Heidenspaß, wenn man nicht gerade zu den prüden Zeitgenossen zählt!


Erstes Deutsches Zwangsensemble: "Die letzte Tour"

18. April 2012     20 Uhr

Als Task-Force-Kabarett kommen sie auf die Bühne, die jungen Wilden:

Mathias Tretter, Claus von Wagner, Philipp Weber. Jeder für sich schon als Einzelkünstler erfolgreich, sind sie im Dreierpack unschlagbar. Das ist politisches Kabarett - aber entstaubt, witzig, jung, frisch und frech.

Ein humoristisches Bombardement, das dieses Trio abfeuert. Mit erfrischender Respektlosigkeit werden politische und soziale Fakten schonungslos ans Licht gezerrt, verbal geschliffen und zerlegt. Frisches Leben hauchen sie dem Genre Kabarett ein – als Zyniker, Schwarzseher und Grantler der neuen Generation.

Tretters fein gesponnene Bissigkeit, Webers Spritzigkeit und von Wagners Schauspieltalent garantieren eine unterhaltsame Tour durch den Widersinn der Politik.

"Demokratie ist die Herrschaft des Volkes über sich selbst – aber das Volk hat einfach keine Lust mehr, sich zu beherrschen", räsoniert Tretter.

Zusammen sind die drei Bayern Träger von 37 Kleinkunstpreisen!
Sagt das nicht alles?


Luise Kinseher: “Einfach reich”

10. Mai 2012     20 Uhr

 

Sie hat ein neues Programm, die anbetungswürdige Luise Kinseher. Mit ihren “Angestellten” dem dümmlichen Fräulein Lachner, der geizigen Frau Rösch, der spröden Frau Freese und der ewig besoffenen Maria veranstaltet sie einen gewaltigen humoristischen Wirbel.

 

Die Bayerin zieht alle Register ihres fulminanten Könnens und erklärt ganz nebenbei was passiert, wenn man den Hals nicht voll bekommt.

 

Luise Kinseher lacht, zürnt und poltert in ihren Rollen, dass es eine wahre Freude ist. Sie rechnet ab, mit den Verursachern der Finanzkrise, den Bankern und Politikern. „Einer für alle, alle für sich“. Schier schwindlig wird’s einem, wenn sie rasant ihr breites Themenspektrum rund ums Thema Besitz und Geld ausbreitet.

 

Auch wenn alles gewohnt locker daherkommt, Kinseher stellt bohrende Fragen und antwortet -charmant- mit beißendem Sarkasmus. Mit Reich-Ranicki ist sie sich einig: „Geld macht nicht glücklich, aber es weint sich besser im Taxi als in der Straßenbahn.“

Göttlich!


Vince Ebert: “ Freiheit ist alles”

Foto: Frank Eidel

12. Juni 2012     20 Uhr

 

Auf eine Reise durch die Welt der Freiheit nimmt Ebert sein Publikum mit, flankiert von namhaften Persönlichkeiten, die sich mit dem Thema Freiheit beschäftigt haben wie Immanuel Kant oder Arthur Schopenhauer. Wenn es um die Verteidigung der westlichen Freiheit ginge, so Ebert, würden die Leute sich wegducken; sei aber irgendwo ein Juchtenkäfer gefährdet, werde eine Bürgerinitiative gegründet.

 

Obwohl von den Naturwissenschaften kommend, bewegt Ebert sich ebenso sicher auf politischem, religiösem oder historischem Terrain. Scharf und hintersinnig reiht er mit dem Tempo eines Düsenjets Pointe an Pointe und weicht spielerisch die Grenzen zwischen wissenschaftlichen Thesen und satirischer Unterhaltung auf.

 

Und so wandelt er auf den Spuren von Freidenkern und Denkfreien. Vom Dalai Lama („Free Tibet“) bis zu David Hasselhoff („I’ve been looking for freedom“). Denn seit jeher ist Freiheit ein typisch männlicher Traum. Studien zeigen, dass Männer, die frei und ungebunden sind, verwahrlosen und früher sterben….

 

Aber Vince Ebert ist nicht nur ein Mann der Worte. Das zeigt er zwerchfellerschütternd in einer Tanzeinlage zur Discomusik oder einer nebelumhüllten Gesangsimitation der Rolling Stones.

 

Dieser Mann hat die Wissenschaft kabarettreif gemacht. Von sich sagt er: Neben Angela Merkel und Oskar Lafontaine bin ich der dritte Physiker, der sein Geld mit Kabarett verdient.

 

Der Mannheimer Morgen befindet: „Einsteins witziger Enkel“. Dem ist nichts hinzuzufügen.


Thomas Reis: “Reisparteitag”

04. Juli 2012

Oh ja, Thomas Reis ist böse. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, akzeptiert willentlich, dass dem Zuschauer der Atem stockt: Tabus sind dem Mann fremd. Nicht nur turboschnell, sondern extrem gehaltvoll präsentiert er seinen satirischen Giftcocktail in Hochpotenz. Sprachlich akrobatisch, mimisch mit stummfilmtauglicher Komik. Jetzt gründet er seine eigene Partei. Motto: Die Kartoffel ist tot – es lebe der Reis!

Frage des gebürtigen Schwaben: Wie lautet der kategorischste aller schwäbischen Imperative? Antwort: Schaffe, schaffe, Häusle baue… Von einem Bahnhof steht da nichts!

Und wechselt mühelos vom Stuttgarter Bahnhof über den niederländischen Rechtsextremisten Wilders zum türkischen Premier Erdogan, um dann einen Blick in die arabische Zukunft zu werfen: „Auch die Scharia wird modernisiert. Ehebrecherinnen dürfen dann ihre Steine selbst aussuchen; die meisten nehmen Brillis“.

Trost in schweren Zeiten gibt’s auch: Wenn der Zins im Keller ist, soll er ein paar Flaschen Bier mit hochbringen.

Ein toller Parteitag! Gnadenlos gut!